Repräsentativität der animusX-Umfrage
Die animusX-Umfrage ist belastbar für das, was sie misst: die Stimmung aktiver Kapitalmarktteilnehmer in Deutschland. Jede Woche werden über 8.000 private und institutionelle Anleger befragt, darunter über 235 institutionelle Investoren. Entscheidend für die Güte ist dabei nicht allein die Zahl der Antwortenden, sondern die Verteilung ihrer Antworten: Folgen sie einer Normalverteilung, ändert sich das Ergebnis auch mit deutlich mehr Antwortenden nicht wesentlich.
animusX hat diesen Maßstab am 29. Februar 2004 in einem Research-Paper begründet, damals anhand einer Umfrage mit 220 Teilnehmern. Heute führt Stephan Heibel die Erhebung fort, Betreiber von animusX und Herausgeber des Börsenbriefs Heibel-Ticker. Diese Seite gibt das Paper vollständig wieder und ordnet es für die heutige Stichprobe ein.
Wie viele Anleger werden befragt?
Jede Woche werden über 8.000 Anleger befragt. Die Zahl setzt sich aus zwei Erhebungen zusammen: der direkten animusX-Umfrage und einer wöchentlichen Teilbefragung unter Lesern des Handelsblatts. Diese Kooperation besteht seit 2014. Die Handelsblatt-Leser beantworten einen Auszug der Fragen, ihre Antworten fließen in die gemeinsame Auswertung ein.
Die Umfrage läuft jeweils von Donnerstag 8 Uhr bis Samstag 24 Uhr. Was dabei im Einzelnen abgefragt wird, steht auf der Seite zum DAX-Sentiment.
Wie setzt sich die Stichprobe zusammen?
Die Stichprobe besteht aus privaten Anlegern und institutionellen Investoren. Zu den über 235 institutionellen Investoren unter den Befragten gehören Mitarbeiter von Banken, Brokerhäusern, Versicherungen und Vermögensverwaltern. Bei der Anmeldung gibt jeder Teilnehmer an, ob er privat oder institutionell anlegt. Befragt wird damit nicht die Gesamtbevölkerung, sondern eine klar umrissene Teilgruppe: Menschen, die am Finanzplatz Deutschland tatsächlich investieren.
Welche Angaben bei der Anmeldung erhoben werden, steht in der Datenschutzerklärung.
Wie unterscheiden sich private und institutionelle Teilnehmer?
animusX wertet beide Gruppen getrennt aus, weil sich ihr Verhalten in der Praxis unterscheidet. Im Mitgliederbereich lassen sich die Ergebnisse privater und institutioneller Anleger getrennt einsehen. Laufen beide Gruppen auseinander – etwa wenn Privatanleger verkaufen, während Institutionelle zukaufen –, ist das eine eigene Information, die in einer einzigen Gesamtzahl verloren geht.
Wie nah beide Gruppen beieinander liegen können, zeigte bereits die Umfrage vom 29. Februar 2004: Die Antworten institutioneller und privater Teilnehmer verliefen dort nahezu deckungsgleich (siehe Beispiel unten).
Was bedeutet Repräsentativität bei einer freiwilligen Umfrage?
Als repräsentativ gilt eine Studie im strengen Sinn, wenn in einer Zufallsstichprobe jedes Mitglied der Grundgesamtheit die gleiche Chance hat, befragt zu werden – oder wenn sie ein genaues Abbild dieser Grundgesamtheit liefert. Eine freiwillige Umfrage unter Kapitalmarktteilnehmern erfüllt das nicht. Sie will es auch nicht: Sie beschreibt eine Teilgruppe, nicht die Gesamtbevölkerung.
Das animusX-Research-Paper hält deshalb fest: Repräsentativität ist bei Stimmungsumfragen nicht das entscheidende Gütekriterium. Auch die Teilnehmerzahl allein sagt nichts darüber aus, ob eine Umfrage belastbar ist. Eine große Stichprobe kann deutliche und systematische Verzerrungen enthalten.
Daraus folgt nicht, dass Stimmungsumfragen wertlos sind. Es folgt, dass sie keine Schlüsse auf die Gesamtbevölkerung ziehen sollen, sondern nur auf die befragte Gruppe. Zwei Bedingungen gelten dafür:
- Die befragte Gruppe besteht nicht nur aus Ausreißern.
- Die Stichprobe ist groß genug für eine Gruppe dieser Größe. Gilt eine Stichprobe von 1.000 bis 3.000 Personen bereits als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, reicht für eine klar umrissene Teilgruppe ein Bruchteil davon aus.
Woran lässt sich erkennen, ob eine Stimmungsumfrage belastbar ist?
Maßstab ist die Verteilung der Antworten. Bilden sie eine Normalverteilung – die symmetrische Glockenkurve, benannt nach Carl Friedrich Gauß (1777–1855) –, darf das Ergebnis als gut gelten. Kommen weitere Teilnehmer aus derselben Gruppe hinzu, verändert es sich dann nicht wesentlich. Nach der Erfahrung von animusX ist das bereits bei einer kleinen Teilnehmerzahl der Fall.
Beispiel 1: der Münzwurf
Bei einer fairen Münze fällt „Zahl" mit einer Wahrscheinlichkeit von genau 50 Prozent. Wirft man die Münze 50 Mal und ermittelt nach jedem Wurf, wie oft bis dahin „Zahl" gefallen ist, schwankt dieser Anteil anfangs stark. Mit jedem weiteren Wurf werden die Ausschläge kleiner, der Wert pendelt sich bei rund 50 Prozent ein. Den exakten Wert erreicht er nach 50 Würfen noch nicht – die Richtung ist aber eindeutig.
Beispiel 2: zwei Würfel
Mit zwei Würfeln gibt es 36 mögliche Kombinationen. Ordnet man sie nach ihrer Augensumme, entsteht eine symmetrische Verteilung mit der Spitze bei 7:
| Augensumme | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kombinationen | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 5 | 4 | 3 | 2 | 1 |
Solche glockenförmigen Verteilungen treten immer dann auf, wenn ein Merkmal von vielen zufälligen, voneinander unabhängigen und nicht gleichsinnig wirkenden Einflüssen abhängt. Das gilt für viele Messgrößen in Medizin, Zoologie und Botanik – und ebenso für psychologische Untersuchungen, zu denen eine Stimmungsumfrage gehört.
Was zeigte die animusX-Umfrage vom 29. Februar 2004?
Die Frage lautete: „Wo erwarten Sie den DAX Ende März 2004?" 220 Teilnehmer antworteten, die Antwortstufen reichten von 3.200 bis 5.200 Punkten. Die Antworten verteilten sich symmetrisch um einen Schwerpunkt bei 4.000 Punkten und fielen zu beiden Seiten gleichmäßig ab – bei institutionellen und privaten Teilnehmern nahezu deckungsgleich. Das ist der Verlauf einer Normalverteilung.
Trotz der geringen Teilnehmerzahl bildete das Ergebnis damit mit einiger Wahrscheinlichkeit die Stimmung der Kapitalmarktteilnehmer ab. Eine deutlich höhere Teilnehmerzahl ändert nach diesem Maßstab nichts Wesentliches am Ergebnis.
Wo liegen die Grenzen der Stichprobe?
Die animusX-Umfrage beschreibt die Stimmung aktiver Kapitalmarktteilnehmer in Deutschland, nicht die der Gesamtbevölkerung. Die Teilnahme ist freiwillig, die Stichprobe ist deshalb keine Zufallsstichprobe. Eine Normalverteilung der Antworten ist ein starkes Indiz für ein belastbares Ergebnis, aber kein Beweis – die Aussage bleibt eine Wahrscheinlichkeit.
- Die Teilnehmerstruktur schwankt von Woche zu Woche. animusX gleicht das durch kontinuierliche Analysen und Anpassungen aus.
- Jede Auswertung ist eine wöchentliche Momentaufnahme, kein Echtzeit-Signal.
- Die Ergebnisse liefern Wahrscheinlichkeiten, keine Kursprognosen und keine Anlageberatung. Einzelheiten stehen im Impressum.
Wie die gemessenen Werte zu lesen sind und welche weiteren Bereiche animusX umfasst, steht im Überblick über die Sentimentplattform.
Auf welche Quellen stützt sich das Research-Paper?
Das animusX-Research-Paper „Der Begriff der Repräsentativität bei Stimmungsumfragen" vom 29. Februar 2004 verweist auf drei Quellen:
- Universität Münster: „Zur Methodik von Online-Umfragen"
- Universität Bremen, Sonderforschungsbereich 186, Bereich Methoden und EDV – zum Weiterlesen das Arbeitspapier zur Repräsentativität kleiner Stichproben
- Wiedling, H.: „Statistische Verfahren", Band 2
Stand: 6. Oktober 2026.