DAX-Sentiment: So wird die Stimmung am deutschen Aktienmarkt gemessen

DAX-Sentiment bezeichnet die Stimmungslage der Anleger gegenüber dem deutschen Leitindex. animusX erhebt sie seit 2006 wöchentlich durch eine Befragung – die Werte werden also direkt erfragt und nicht aus Kursdaten abgeleitet.

Was DAX-Sentiment ist

Gemessen wird, wie private und institutionelle Anleger den DAX aktuell einschätzen und was sie in den kommenden Wochen vorhaben. Das unterscheidet die Erhebung von kursbasierten Kennzahlen: Diese zeigen, was am Markt geschehen ist. Eine Befragung zeigt zusätzlich, was die Teilnehmer erwarten und planen.

Die Begriffe rund um Stimmung und Sentiment erklärt die Seite Marktstimmung und Marktsentiment.

Der Ablauf der wöchentlichen Umfrage

Jeden Donnerstag ab 8 Uhr lädt animusX registrierte Teilnehmer per E-Mail zur wöchentlichen Umfrage ein. Die Teilnahme ist bis Samstag möglich, das Ausfüllen dauert mit etwas Übung zwei bis drei Minuten. Vorläufige Ergebnisse liegen freitags mittags vor, die vollständige Auswertung zum Start der neuen Handelswoche.

Über 8.000 private und institutionelle Anleger nehmen teil. Die Teilnahme ist kostenfrei und folgt dem Give-&-Take-Prinzip: Wer antwortet, erhält die Auswertung. Näheres dazu unter animusX im Überblick.

Was zum DAX konkret abgefragt wird

  • Ob die eigenen Erwartungen zur DAX-Entwicklung der Vorwoche erfüllt wurden
  • Ob aktuelle Finanznachrichten eher positiv, neutral oder negativ eingeschätzt werden
  • Ob für die kommenden zwei Wochen Käufe oder Verkäufe von DAX-Aktien geplant sind
  • Ob bestehende Positionen ausgebaut, verkleinert oder unverändert gehalten werden
  • Bei welchem DAX-Niveau nachgekauft und bei welchem verkauft würde
  • Ob sich der DAX aktuell und in den kommenden drei Monaten in einem Aufwärtstrend, Abwärtstrend, einer Seitwärtsbewegung, Bodenbildung oder Topbildung befindet

Diese Fragen bilden bewusst Meinungen und Einschätzungen ab, keine mathematisch exakten Werte – die Einschätzung der Teilnehmer selbst ist der Gegenstand der Messung.

Portfoliostruktur

Zusätzlich geben Teilnehmer die Aufteilung eines Beispielportfolios auf Aktien, Anleihen und Cash an. Wer aktiv auf fallende Kurse setzt, kann das ebenfalls angeben – relevant vor allem für Trader, Spekulanten und Hedgefonds unter den Teilnehmern. Die Portfoliostruktur zeigt die tatsächliche Positionierung, während die übrigen Fragen die Erwartung abbilden.

Zwei Zeithorizonte

Die Umfrage unterscheidet zwischen kurzfristiger Handlungsabsicht und mittelfristiger Erwartung. Die Investitionsabsicht bezieht sich auf die kommenden zwei Wochen, die Erwartung auf die kommenden drei Monate. Andere Sentimentumfragen arbeiten mit einem Monat und sechs Monaten – die kürzeren Zeiträume bilden Umschwünge schneller ab.

Private und institutionelle Anleger getrennt

Beide Gruppen werden getrennt ausgewertet, weil sich ihr Verhalten in der Praxis unterscheidet. Institutionelle Anleger reagieren auf andere Auslöser und in anderer Geschwindigkeit als Privatanleger. Weichen die Einschätzungen beider Gruppen deutlich voneinander ab, ist das selbst eine Information.

Wie die Werte zu lesen sind

Ausschlaggebend ist weniger der absolute Wert als die Veränderung gegenüber den Vorwochen und die Lage im historischen Vergleich. Weicht eine Antwortgruppe deutlich vom üblichen Antwortverhalten ab – etwa wenn institutionelle Anleger eine ungewöhnlich hohe Kaufbereitschaft angeben –, ordnet die Auswertung diesen Extremwert historisch ein: Was geschah in der Vergangenheit, wenn ein vergleichbarer Wert auftrat?

Diese Einordnung ersetzt keine eigene Prüfung. Sie liefert einen zusätzlichen Anhaltspunkt, keine Vorhersage. Die verdichtete Form der wöchentlichen Erhebung zeigt der DAX Angst & Gier Indikator, dort steht auch die Erklärung der Skala.

Wo Sie die aktuellen Werte finden

Der Angst-&-Gier-Indikator ist öffentlich einsehbar. Die vollständige Auswertung mit Kommentar und grafischen Darstellungen steht Teilnehmern im Mitgliederbereich zur Verfügung. Die Registrierung ist kostenfrei.

Wie belastbar die Daten sind

Die Erhebung läuft seit 2006 ununterbrochen mit derselben Methodik, was den Vergleich mit historischen Werten überhaupt erst möglich macht. Seit 2014 wird die Umfrage in Kooperation mit dem Handelsblatt durchgeführt. Eine ausführliche Einordnung zur Stichprobe steht unter Repräsentativität der animusX-Umfrage.

Maßstab für die Belastbarkeit ist dabei nicht allein die Zahl der Teilnehmer. Entscheidend ist, ob die Antworten einer Normalverteilung folgen – dann ändert sich das Ergebnis auch mit deutlich mehr Teilnehmern nicht wesentlich. animusX hat diesen Maßstab bereits 2004 in einem Research-Paper begründet.

DAX-Sentiment und andere Märkte

Dieselbe wöchentliche Erhebung erfasst neben dem DAX auch den Zinsmarkt, den Devisenmarkt und Rohstoffe. Für Gold steht die Auswertung unter Gold-Sentiment. Eine Übersicht der Messverfahren insgesamt gibt die Seite Sentiment-Grundlagen.

Häufige Fragen

Wie oft wird erhoben?
Wöchentlich. Die Umfrage läuft von Donnerstag 8 Uhr bis Samstag 24 Uhr, vorläufige Ergebnisse gibt es freitags ab 14 Uhr.

Wer nimmt teil?
Über 8.000 private und institutionelle Anleger. Institutionelle Teilnehmer kommen aus Banken, Brokerhäusern, Versicherungen und Vermögensverwaltungen.

Was kostet die Teilnahme?
Nichts. Wer antwortet, erhält die Auswertung. Regelmäßige Teilnahme sammelt Treuepunkte, die den Zugang auch in Wochen ohne eigene Teilnahme sichern.

Worin unterscheidet sich das vom Euwax Sentiment?
Das Euwax Sentiment der Börse Stuttgart wird aus tatsächlichen Orders in Hebelprodukten berechnet und zeigt damit vollzogenes Verhalten. Die animusX-Umfrage erhebt zusätzlich Erwartungen und Absichten, die sich in Orders noch nicht niedergeschlagen haben.

Stand

Stand: 22. September 2026.