Put/Call-Verhältnis: Was Optionsdaten über die Marktstimmung verraten
Das Put/Call-Verhältnis setzt die Zahl gehandelter Put-Optionen ins Verhältnis zu den Call-Optionen. Es ist eine Kennzahl aus Börsendaten, nicht von animusX, und zeigt, wie stark sich Marktteilnehmer gegen fallende Kurse absichern.
Was das Put/Call-Verhältnis misst
Put-Optionen gewinnen an Wert, wenn Kurse fallen; Call-Optionen, wenn sie steigen. Werden auffällig viele Puts gehandelt, bereiten sich Marktteilnehmer auf Rückschläge vor. Überwiegen Calls, setzen sie auf steigende Kurse.
Die Kennzahl wird auch als Put/Call-Ratio oder PCR bezeichnet. Sie wird für verschiedene Basiswerte berechnet – für den DAX ebenso wie für den US-Markt über die Optionsbörse CBOE.
Wie die Kennzahl entsteht
Grundlage sind die an einer Terminbörse gehandelten Optionskontrakte eines Zeitraums. Das Verhältnis ergibt sich aus der Zahl der Put-Kontrakte geteilt durch die Zahl der Call-Kontrakte. Ein Wert über 1 bedeutet, dass mehr Puts als Calls gehandelt wurden.
Je nach Datenquelle unterscheiden sich die Bezugsgrößen: Manche Berechnungen stützen sich auf die Zahl der Kontrakte, andere auf das Handelsvolumen oder das offene Interesse. Werte verschiedener Anbieter sind deshalb nicht ohne Weiteres vergleichbar. Eine ausführliche Erläuterung für DAX und CBOE steht als PDF bereit.
Wie die Werte zu lesen sind
Hohe Werte zeigen ausgeprägten Absicherungsbedarf. In der Lesart als Kontraindikator gilt das als Hinweis auf eine mögliche Übertreibung nach unten: Wer sich abgesichert hat, muss nicht mehr verkaufen. Niedrige Werte deuten umgekehrt auf Sorglosigkeit hin – dann fehlt der Absicherungspuffer, wenn die Stimmung kippt.
Eine wichtige Einschränkung: Nicht jeder Put ist eine pessimistische Wette. Institutionelle Anleger sichern Bestände routinemäßig ab, ohne fallende Kurse zu erwarten. Ein steigendes Put/Call-Verhältnis kann deshalb auch schlicht wachsende Positionsgrößen abbilden. Die Kennzahl taugt als Baustein, nicht als eigenständiges Signal.
Optionsdaten im Vergleich zu anderen Verfahren
Optionsdaten zeigen, wofür Marktteilnehmer Geld ausgegeben haben – eine belastbare, weil kostenpflichtige Aussage. Was sie nicht zeigen: die Erwartung derjenigen, die keine Optionen handeln, und den Grund hinter der Absicherung.
Befragungen liefern genau diesen fehlenden Teil. Wie das am deutschen Aktienmarkt geschieht, steht unter DAX-Sentiment. Welche Messverfahren es insgesamt gibt und worin sie sich unterscheiden, behandelt die Seite Sentiment-Grundlagen.
Wo Sie aktuelle Werte finden
Das Put/Call-Verhältnis veröffentlichen die jeweiligen Terminbörsen und zahlreiche Finanzportale. Die Erläuterung zu DAX und CBOE mit Einordnung steht als PDF zur Verfügung. Ein aus Umfragedaten gebildetes Stimmungsbild für den DAX zeigt der DAX Angst & Gier Indikator. Einen Überblick über alle Themen gibt animusX im Überblick.
Häufige Fragen
Was ist ein normaler Wert?
Das hängt vom Basiswert und von der Berechnungsgrundlage ab. Aussagekräftig ist nicht der absolute Wert, sondern die Abweichung vom eigenen historischen Durchschnitt derselben Datenreihe.
Worin unterscheiden sich DAX und CBOE?
Der DAX-Wert bezieht sich auf Optionen des deutschen Leitindex an der Eurex, der CBOE-Wert auf den US-Markt. Teilnehmerstruktur und Handelsvolumen unterscheiden sich erheblich, weshalb die Werte nicht direkt vergleichbar sind.
Taugt die Kennzahl allein als Signal?
Nein. Sie zeigt Absicherungsverhalten, nicht dessen Motiv. Erst zusammen mit anderen Stimmungsdaten ergibt sich ein belastbares Bild.
Stand
Stand: 17. September 2026.